Schulmilch: Die ungenutzte Alternative

Nur 20 Prozent der Schulen beziehen das wertvolle Getränk noch − Informationsabend

Von Barbara Osdarty

Passau. Gesunde Ernährung ist in unserer Zeit ein allgegenwärtiges Thema. Schulen und Gesundheitszentren veranstalten Themenwochen dazu, Wellness-Hotels richten ihr Angebot entsprechend aus und die Medien berichten darüber, wie wichtig vitaminhaltiges und abwechslungsreiches Essen gerade für Kinder und Jugendliche ist. Und immer wieder spielt sie eine herausragende Rolle in solchen Diskussionen: die Milch.

Getränk unterstützt den Knochenaufbau

Längst wurde festgestellt, dass Milch bei Kindern den Knochenaufbau unterstützt und einen wahren Nährstoffcocktail enthält. "Und dennoch ist es so, dass in unserer Region nur noch maximal 20 Prozent aller Schulen Schulmilch beziehen, vielleicht sogar noch weniger", informierte Daniela Lutterroth vom Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten die Besucher des Schulmilch-Informationsabends, zu dem die Katholische Landjugendbewegung der Diözese Passau eingeladen hatte. Direktvermarktern, Molkereien, Lehrern und Eltern wurde bei der Veranstaltung die Möglichkeit gegeben, sich über dieses wichtige Thema auszutauschen und gemeinsam nach neuen Wegen zu suchen, wie das Produkt Milch den Weg zurück finden könnte in den Pausenverkauf von Schulen und Kindergärten.

Dabei stellte sich heraus, dass durchaus schon viel getan wird: Das Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten veranstaltet Milch-Aktionstage, viele Lieferanten berücksichtigen längst die speziellen Vorlieben von jungen Menschen und ein EU-Förderprogramm ermöglicht die verbilligte Abgabe von Milchprodukten an Kinder und Jugendliche. Warum es dennoch nicht so recht klappen will mit dem Milchkonsum in unseren Schulen, dafür führten die Diskussionsteilnehmer viele Gründe an. Hausmeister beispielsweise seien oft nicht daran interessiert, Milch im Pausenverkauf anzubieten, weil sie an ihr deutlich weniger verdienen als an Cola und Limo. Direktorat und Lehrer stünden manchmal nicht wirklich hinter dem Projekt. Und den Kindern selbst sei gar nicht mehr bewusst, dass Milch ein wertvolles, gesundes, aber auch leckeres Lebensmittel ist.

In Österreich läuft's besser

Dass all das jedoch keine unabänderliche Gegebenheit ist, machte Karl Grabmayr, der Hauptreferent des Abends, deutlich. Im Gebiet des Österreichers beziehen nach eigener Aussage rund 80 Prozent aller Schulen Schulmilch – eine Zahl, von der die Bayern nur träumen können. Grabmayr führt im oberösterreichischen Prambachkirchen einen Familienbetrieb, 30 Kühe stehen in seinem Stall. Schon 1995 hat er begonnen, die Belieferung von Schulen zu seinemzweiten Standbein zu machen – mit Erfolg. 1200 bis 1500 Portionen täglich liefert er aus.

In der Direktvermarktung sieht er viele Vorteile: "Die Schulen wissen, dass die Milch direkt aus der Nachbarschaft kommt. Sie haben Vertrauen zu uns und deswegen unterstützen viele Lehrer und Rektoren tatkräftig den Milchverkauf. Die Kinder können uns am Hof besuchen, uns und die Tiere kennen lernen, und haben so einen ganz anderen Bezug zu der Milch, die sie jeden Tag trinken." Einen großen Vorteil zieht Karl Grabmayr auch daraus, dass er im Gegensatz zu bayerischen Direktvermarktern nicht auf sich allein gestellt ist. 26 oberösterreichische Landwirte engagieren sich derzeit in der ARGE Schulmilch und profitieren dabei von den Innovationen der einzelnen Mitglieder ebenso sehr wie von der Marketingunterstützung und Beihilfeabwicklung durch die "Agrarmarkt Austria".

In Bayern dagegen liefern vor allem Molkereien die Schulmilch. Auch das kann Vorteile haben, wie Franz Plattner, Verkaufsleiter der Innstolz-Molkerei, darlegte: "Ich sehe einen Vorteil darin, dass wir nicht nur eine große Produktpalette anbieten können, sondern auf Wunsch sogar ein Gesamtkonzept. Wir liefern nicht nur die Milch, sondern auch Käse, Obst und Gemüse."

Der Direktvermarktung steht er mit gemischten Gefühlen gegenüber: "Ich denke, dass Hygienestandards in größeren Molkereien derzeit meist besser gewährleistet sind, schon allein, weil wir über ganz andere Anlagen und Kühlfahrzeuge verfügen. Ich sehe aber durchaus, dass es einige Landwirte gibt, die ihre Sache gut machen, und die betrachte ich nicht als Konkurrenz, sondern als Unterstützung. Wir Molkereien liefern keine Kleinstmengen, verantwortungsbewusste Betriebe könnten die dadurch entstehenden Versorgungslücken schließen."

Direktvermarkter beliefert zwei Schulen

Einer der ganz wenigen Direktvermarkter in der Region ist Martin Hofer aus Pfarrkirchen, der derzeit zwei Schulen beliefert. Er hat unterschiedliche Erfahrungen mit diesem Konzept gemacht. Während es an der einen Schule gut funktioniert, erfordert es an der anderen sehr hohen Aufwand.

Die Ausführungen der Referenten boten am Ende des Abends viel Stoff für eine angeregte Diskussion. Einerseits erkannten die Landwirte, dass es keine Patentlösung geben kann und holten sich Tipps und Anregungen für den eigenen Betrieb, andererseits kamen alle darin überein, dass aus dem österreichischen Beispiel Konsequenzen gezogen werden müssen: Es muss noch mehr getan werden, was dazu beitragen könnte, das Image der Milch zu verbessern, gerade bei jungen Menschen.  

Quelle: Passauer Neue Presse, 18. Januar 2011

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