Neustart nach dem Nichts

Florian Leebmann, geschäftsführender Gesellschafter von Innstolz Frischdienst, über den Aufbau nach der Flutkatastrophe

VonMichaela Arbinger

Deggendorf. 700 Tonnen Lebensmittel hatte der Innstolz- Frischdienst gelagert, als im Juni 2013 die Flut kam und das Wasser bis zu 2,40 Meter hoch in den Gebäuden stand. Ware im Wert von zwei Millionen Euro – nichts als Müll. Dazu kam der immense Schaden an den Immobilien. Auch fast ein Jahr nach der Katastrophe hat sich das Unternehmen noch nicht vollständig von diesem Schlag erholt. Am Rande der gestern eröffneten Innstolz-Fachmesse  sprach der geschäftsführende Gesellschafter Florian Leebmann mit der DZ über die Entscheidung, dem Standort trotzdem treu zu bleiben.

Herr Leebmann, wie hoch ist der Schaden, den die Flut bei Innstolz Frischdienst angerichtet hat?

Florian Leebmann: Der Gesamtschaden an den Gebäuden beläuft sich auf über sieben Millionen Euro. Rechnet man den Geschäftsausfall dazu, ergeben sich weitere 1,5 Millionen Euro. Wir haben drei bis vier Umsatzmonate komplett verloren. Von Juni 2013 bis Ende September waren alle Lagerflächen beeinträchtigt. Büros und Sozialräume konnten wir erst ab Dezember wieder nutzen.

Wie haben Sie den Betrieb trotzdem aufrecht erhalten?

Florian Leebmann: Wir haben unseren Betrieb nach Pfarrkirchen und Rotthalmünster verlagert und dort einen Notdienst eingerichtet; unsere Mitarbeiter mussten also lange Fahrten zum Arbeitsplatz in Kauf nehmen. Man muss sich vorstellen, dass unser Betrieb von heute auf morgen von Volllast auf null gefahren wurde. Normalerweise verlassen täglich 100 Tonnen Lebensmittel unser Unternehmen. Plötzlich lagen diese Lebensmittel nicht mehr in den Küchen und am Buffet. Ich möchte unseren Kunden und Lieferanten dafür danken, dass uns die meisten trotzdem die Treue gehalten haben. Auch unsere Mitarbeiter haben mitgezogen. Man glaubt ja gar nicht, wie eng man in der Not zusammenrücken kann − da teilten sich drei Leute einen Schreibtisch.

Was hat Sie am meisten beeindruckt?

Florian Leebmann: Die Solidarität und Hilfe von wildfremden Menschen war unglaublich. Ich möchte allen ehrenamtlichen, amtlichen und freiwilligen Helfern danken. Diesen vielen tausend Menschen, die hier aus dem Nichts heraus eine beispielhafte Katastrophenhilfe aufgebaut haben. Landrat Christian Bernreiter, OB Dr. Christian Moser und Alois Schraufstetter von der Feuerwehr haben uns den Mut gegeben, weiterzumachen und sich nicht von hier zu verabschieden. Erwähnen möchte ich auch die Unterstützung der Staatsregierung und der Industrie- und Handelskammer.

Ist denn ein Jahr nach der Flut immer noch Unterstützung zu spüren?

Florian Leebmann: Der Landrat, der Oberbürgermeister und deren Mitarbeiter sind nach wie vor hochgradig bemüht, um der Solidargemeinschaft Fischerdorf- Natternberg zu helfen, zu der sich Geschäftsleute zusammengefunden haben. Schwierigkeiten mit Versicherungen oder Partnern werden mit Hochdruck bearbeitet.  Auch die angekündigten Verbesserungen beim Hochwasserschutz stimmen uns optimistisch – ein wichtiges Signal für den Investitionsstandort in Sachen Versicherbarkeit und Bonität. Der Hochwasserschutz HW 100 muss schnellstmöglich anvisiert werden. Das erwarten auch die Banken, wenn es um Finanzierungen geht.

Haben Sie jemals daran gedacht, den Standort Natternberg-Siedlung zu verlassen?

Florian Leebmann: Das denkt in so einer Situation jeder mal.

Wann wird Innstolz wieder auf dem Stand von vor der Flut sein?

Florian Leebmann: Das ist schwer zu sagen. Wir sind immer noch am Sanieren und haben bislang in den Gebäudebereich rund fünf Millionen Euro investiert. Ein komplettes Gebäude muss noch abgerissen werden. Bis Juni/Juli sollen die Außenanlagen wieder auf Vordermann gebracht sein. Wie lange das alles dauern wird, kann ich noch nicht abschätzen.

Welche Umsatzzahlen peilt Ihr Unternehmen für heuer an?

Florian Leebmann: Wir haben 2013 Umsatz in zweistelliger Höhe eingebüßt und fast zehn Millionen Euro verloren. Für heuer haben wir uns vorgenommen, den Plan des Vorjahres zu erreichen. Das wären 55 Millionen Euro Gesamtumsatz der Gruppe.

Quelle: Deggendorfer Zeitung vom 20. Mai 2014

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Landshuter Zeitung, 1. Juni 2011

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