Schulaktion wirbt für Milch statt Cola

Gesunde Ernährung in Bildungseinrichtungen: Bis jetzt beteiligen sich zehn Schulen in Stadt und Landkreis Passau

Von Andrea Stadler
Passau. Weltweit schnellen die Lebensmittelpreise in die Höhe - in Deutschland ist die Milch mit 62 Cent pro Liter so billig wie in kaum einem anderen europäischen Land, ausgenommen Dänemark. Im Moment gilt im Landkreis Passau noch der bayerische Milchpreis, ein Bauer erhält für den Liter 48 Cent, wobei die Zuschläge bei diesem Brutto-Preis schon inkludiert sind. Zu erwarten ist durch die niedrigen Milchpreise der Billigdiscounter ein Rückgang um zehn bis zwölf Cent. Diesem Niedrigpreis-Sog wird sich auch der Landkreis Passau nicht entziehen können. „Wir erleben einen allgemeinen Rückgang der Nachfrage bei Milchprodukten", sagt Kerstin Rose vom Amt für Landwirtschaft Passau. Eine Schulaktion soll dem Trend entgegenwirken.

Auch der Milchkuhbestand im Landkreis Passau hat sich im Vergleich zum Vorjahr um rund drei Prozent auf 27 584 Stück verringert. Hingegen hat sich die Milchleistung pro Kuh und Jahr von 6649 auf 6943 Kilogramm erhöht.

Um der allgemein sinkenden Nachfrage entgegenzuwirken und Milchprodukte besonders bei Kindern und Jugendlichen wieder populärer zu machen und sie mit gesunden Milchprodukten zu versorgen, fördert die Europäische Union seit 2003 Milchprodukte, die an Schulen verkauft werden. Hierzu gehören neben Vollmilch auch Joghurt sowie Misch-Erzeugnisse wie Bananen- oder Kakaomilch.

Auch diese Förderungen wurden seit der Einführung der Milchbeihilfe gekürzt. So stellte die Europäische Gemeinschaft im Jahr 2003 noch rund 10 Millionen Euro, also 23 Euro pro 100 Kilogramm Milcherzeugnisse, an Fördergeldern bereit. In den nachfolgenden Jahren ist diese Summe konstant gesunken, seit Juli 2007 beträgt die Beihilfe aus Brüssel rund 18 Eure für 100 Kilogramm. Nach einer vorherigen Umfrage durch das Amt für Landwirtschaft an den Bildungseinrichtungen in Stadt und Landkreis Passau wurden nur zehn von den annähernd 38 Schulen in der Region ermittelt, die Interesse an der verbilligten Schulmilch-Aktion zeigen. Diese erhalten künftig subventionierte Milchprodukte: Mit annähernd fünf Cent gefördert, soll ein Viertelliter Vollmilch an Schulen maximal 40 Cent kosten.

So startet am Dienstag, 6. Mai, die Schulmilch-Aktion mit einer Auftaktveranstaltung im Gisela-Gymnasium Passau. Zwei fünfte Klassen werden gemeinsam mit der Milchbäuerin und Ernährungsfachfrau Regina Floßmann verschiedene Milchprodukte kennen lernen und testen.

Beginnen wird der Tag für die 40 Schülerinnen mit einem Wettmelken an Gummieutern. Danach wird ein Joghurtfüttem veranstaltet. Weitere Stationen sind ein Milchtest, bei dem die Kinder versuchen, Voll- und fettarme Milch zu unterscheiden, sowie ein Tetrapak-Zielwerfen. Weiter werden verschiedene Käsesorten von den Mädchen bestimmt. Auch die kulinarische Komponente kommt an diesem Aktionstag nicht zu kurz: So produziert jedes der Kinder durch Sahneschütteln seine eigene Butter und in Form einer „gesunden Milchschnitte" wird eine leichte Mahlzeit hergestellt. „Wir wollen den Kindern die Milcherzeugnisse wieder schmackhaft machen, denn Milchprodukte stellen ein gesundes Frühstück dar", sagt Regina Floßmann. „Milch ist ein naturbelassenes und gesundes Ernährungsmittel von Bauern aus der Region".

Die Produkte für den Aktionstag werden von den Milchwerken Roiner zur Verfügung gestellt: „Wir beliefern die Schulen in Niederbayem seit Jahren mit Schulmilch", sagt Isidor Neumaier von den Milchwerken Roiner. Beliefert werden die Milchwerke Roiner von den Rottaler Milchwerken in Karpfham. Hier werden die Schulmilchprodukte, ausgenommen Käse, produziert. "Am Aktionstag präsentieren wir unsere Waren und wir hoffen, dass
wir mit unseren Produkten zur gesünderen Ernährung an Schulen beitragen können", sagt Neumaier und fügt hinzu: „Wir möchten Lehrer und Eltern darauf aufmerksam machen, dass in der Schule eine gesunde Alternative zu Cola und ähnlichem geboten wird".

Quelle: Passauer Neue Presse vom Samstag, 03. Mai 08