Passauer Neue Presse vom Donnerstag, 15. Mai 2008

Die Milch macht's - auch in der Schule


Absatz unter den Jugendlichen soll angekurbelt werden - Wertvoller Kalziumlieferant - Aktion gestartet

Von Wilhelm Kolb
Hebertsfelden. Milch, Kaba, Käseschnitten und Fruchtjoghurt sind lecker und gesund - aber bei den Jugendlichen nicht unbedingt voll im Trend. Im Rahmen einer bayernweiten Initiative von Landwirtschafts- und Kultusministerium hat deshalb das Amt für Landwirtschaft und Porsten Pfarrkirchen eine Aktion zur Stärkung des Schulmilch-Absatzes gestartet.

"Nur rund 22 Prozent der bayerischen Schulen sind im vergangenen Jahr mit Milchprodukten beliefert worden“, bedauert Ltd. Landwirtschaftsdirektor Josef' Eichenseer. Deshalb soll ein Zeichen gesetzt werden, auch weil „die Milch in unserem landwirtschaftlich geprägten Landkreis das wichtigste Produkt ist.“

Zum Start der Aktion im Landkreis fanden sich am letzten Schultag vor den Ferien „Milchfreunde“ aus Politik, Verwaltung, Wirtschaft und dem Elternbeirat in der Volksschule Hebertsfelden ein, wo sie Rektor Günther Lange begrüßte. Die Schüler durften in der Pause ein Büffet stürmen, das Lidwina Kainz, die von Seiten des Amtes 'für Landwirtschaft die Aktion betreut, mit dem „Serviceteam“ der Schule vorbereitet hatte. Die Hauswirtschaftsgruppe der 9. Klasse - Melanie Dorfner, Julian Dotter, Maximilian Färber, Maria Heublhuber und Oliver Lukes -bildete die Buffetmannschaft. Es gab Käseschnitten (Vollkornbrot-unterlage) mit Gurken- und Karottenstreifen, Milch, Schokomilch und diverse Fruchtjoghurts. Die Schüler fanden's toll - „lecker, mal was anderes.“

Nachdem sich auch die Ehrengäste gestärkt hatten, servierten Melanie Dorfner und Verena Wieder zum „Nachtisch“ gekonnt eine musikalisch unterlegte Hochrad-Nummer. Rektor Lange stellte den Balance-Akt als Beispiel schulischer Aktivitäten (Schulzirkus, Bellydance und Volkstanz) heraus.

In der Klasse 3d von Lehrerin Johanna Gerstl hielt Ernährungsfachfrau Monika Haderer Lebensmittelunterricht. „Kinder und Jugendliche müssen wissen, wie wichtig die gute Versorgung mit Kalzium ist, denn dieses wichtige Mineral wird nur bis etwa zum 25. Lebensjahr eingelagert und dann langsam wieder abgebaut.“ Lidwina Kainz informierte darüber, dass laut EsKiMo-Studie weniger als die Hälfte der Kinder und Jugendlichen die empfohlenen Mengen an Milch und Milchprodukten verzehren -bei den 6- bis 11-Jährigen Mädchen sogar nur 37 Prozent. Dabei würden Milchprodukte einen wertvollen Beitrag zur Versorgung mit Kalzium leisten, was wichtig sei für die Stabilisierung der Zähne und Knochen, für das Nervensystem und zur Vorbeugung einer Osteoporose im Alter.

Landwirtschaftsdirektor Josef Eichenseer weist auf die wirtschaftliche Bedeutung der Milchviehhaltung im Landkreis (1850 Betriebe, 210000 Tonnen Milch pro Jahr, 35 Prozent der gesamten landwirtschaftlichen Wertschöpfung) hin, aber auch auf die prekäre wirtschaftliche Situation der von Molkereien bzw. den großen Lebensmittelketten abhängigen Milchbauern. Obwohl der Produktionsaufwand für dieses hochwertige Nahrungsmittel überdurchschnittlich groß sei, lande es als Billigware im Supermarkt.

Die Landtagsabgeordneten Reserl Sem und Edeltraud Plattner unterstützen die Aktion „Wir alle müssen Vorbilder dafür sein, dass . Milch und Milchprodukte in den Familien auf den Tisch kommen“, so Sem. Plattner, die schon wiederholt die Initiative für die Ankurbelung des Schulmilchverbrauchs ergriffen hat, bezeichnete die laufende Aktion als eine „Herzensangelegenheit“ - wegen der Gesundheit der Kinder und der Stärkung der heimischen Landwirtschaft.

Schulrätin Ingrid Behnken appelliert an die Eltern, die Kinder nicht ohne Frühstück aus dem Haus gehen zu lassen. Von seinen Erfahrungen mit dem Konsumverhalten der Kinder berichtet Schul-Hausmeister Martin Stallhofer. Demnach sei der Schulmilchverkauf in sieben Jahren um 50 Prozent zurückgegangen. Auch kleine Preiserhöhungen würden dem Absatz schaden, ist sich Schülersprecherin Zisan Bay sicher, obwohl das Angebot an der Schule in Hebertsfelden doch noch gut angenommen werde. Der Milch fehle eventuell eine moderne Werbung.

Schule sucht nach Sponsor für die Milch

Die Preisfrage nahm Rektor Länge zum Anlass für einen Versuch: „Wenn wir für einen Monat einen Sponsor finden, der es uns ermöglicht, mit dem Preis um 20 auf 25 Cent herunterzugehen, dann werden wir ja sehen, was sich ergibt.“ Einen Versuch wäre das wert, pflichtete Bürgermeister Karl Hendlmeier bei. Wer die Idee unterstützen und den Differenzbetrag übernehmen will, kann sich unter Telefon 0 87 21/21 62, Fax 0 87 21/91 01 56 oder per E-Mail unter vshebf@compuserve.de an die Volksschule wenden.

Kreisbäuerin Maria Maierhofer, selbst Ernährungsfachfrau, fasste die Bedeutung der Milch so zusammen: „Ein raffinierter Natur-Cocktail aus hochwertigem Eiweiß, Vitaminen und Mineralstoffen - die Milch begleitet uns ein Leben lang in vielfältiger Form.“


Appetitlich angerichtet schmecken Kindern auch die gesunden Milchprodukte bestens. - Foto: Kolb

Quelle:PNP, 15.05.08