Die deutsche regionale Küche ist "in"
"Geiz ist geil" ist vorbei - Biotrend hält in Gastronomie Einzug - Podiumsdiskussion
Passau, (moz) Das Thema Qualität stand bei der Gastronomie-Fachmesse "Gast und Küche" in der Passauer Dreiländerhalle am Dienstag im Mittelpunkt. In einer hochkarätig besetzten Podiumsdiskussion kam unter anderen Landwirtschaftsminister Josef Miller zu dem Schluss, dass Gastronomie-Betriebe nur durch Qualität erfolgreich bestehen können.
Die Messe, die zum dritten. Mal stattfand, konnte ihr Rekordergebnis vom letzten Jahr leicht steigern. Ersten Zählungen zufolge waren über 7000 Fachbesucher vorwiegend aus Bayern und Österreich, aber auch Tschechien nach Passau gekommen. Die Bilanz der 150 Aussteller sowie der beiden Veranstalter um Christine Lechner und Rudolf Oppowa fiel rundweg positiv aus.
Was ist, Qualität in der Gastronomie wirklich? Diese Frage stellte der Journalist Hannes Burger den Teilnehmern der Podiumsdiskussion. Dass sie sich nicht ausschließlich über das Produkt definiere, sondern über viele einzelne Faktoren, wie Freundlichkeit und Kompetenz des Personals, Gastlichkeit, Service und Sauberkeit, darin waren sich die Experten einig. "Es bringt nichts, wenn das Bier toll schmeckt, aber das Glas schmutzig ist", so Prinz Luitpold von Bayern, der als Geschäftsführer die König Ludwig Schlossbrauerei Kaltenberg leitet. Burger stellte äußerst kritisch die Frage, ob ein deutscher Gast überhaupt Sinn für Qualität habe. Wenn man beobachte, wie maßlos an Büffets Speisen aller Art aufgeladen werden, dann sei diese Frage durchaus berechtigt.
Umdenken bei Verbrauchern
Bei einem Großteil der Verbraucher ist ein Umdenken zu spüren, wie die zum Teil rasant steigenden Zahlen von Bioprodukten erkennen lassen. Dieser Trend halte langsam, aber stetig Einzug in die Gastronomie und darüber zeigte sich Niko Gottschaller vom Biokreis Passau sehr froh. Der Bäcker ist seit über 20 Jahren selbst überzeugter Biobauer. "Ökologische Lebensmittel zu essen, ist aktiver Umweltschutz." In der Gastronomie, "die uns bis jetzt sträflich vernachlässigt hat", sieht er für die Bio-Branche enormes Wachstumspotenzial.
Um den guten Ruf des "Spezialitätenlandes Bayern" weiter zu stärken, setzt Landwirtschaftsminister Miller auf verschiedene Programme, wie die Vermarktung regionaler Produkte unter dem Prädikat "geprüfte Qualität Bayern" oder unter dem Zeichen "Öko-Qualität - garantiert Bayern". "Gerade Öko-Produkte müssen nach Heimat schmecken", so Miller.
Bio statt "Geiz ist geil"
Auch Siegfried Gallus, der Präsident des bayerischen Hotel- und Gaststättenverbandes, ist davon überzeugt, dass der Biotrend zunehmend auch in die Gastronomie vor-dringt. In vielen Gasthäusern und Betrieben, wie auch in seinem eigenen Hotel in Beilngries, werden bereits Bioprodukte angeboten. Gallus mahnte allerdings zur Vorsicht. "Komplett umzustellen auf Bio ist gar nicht so einfach. “Gerade. im Catering-Bereich würde man sich au-tomatisch aus dem Markt schießen". Prinz Luitpold von Bayern will die Verbraucher dazu bringen, etwa beim Bier die Unterschiede in der Qualität wieder zu erschmecken. Dann sei es auch möglich, gute Qualität tatsächlich honoriert zu bekommen.
Gallus kritisierte im Rahmen der Podiumsdiskussion die verschiedenen Preisstrukturen der einzelnen Bio-Verbände. "Da müsstet Ihr Euch auch mal grün sein" richtete Gallus einen Appell an die Produzenten. Er nannte als Beispiel einen Bio-Fleischproduzenten aus Oberfranken, der sich einem Biokreis in Ostdeutschland angeschlossen habe, weil die Mitgliedschaft dort um ein mehrfaches billiger sei als bei einem namhaften westdeutschen Verband. Gottschaller erklärte, dass im ökologischen Landbau zwischen Bioprodukten aus einem Verband und so genannten "EU-Bioprodukten" unterschieden werde. In einem Verband würden noch strengere Richtlinien und Auflagen gelten.
Wenn es um die Qualität geht, kommt man an den Gammelfleisch-Skandalen der letzten Monate nicht vorbei. Karolina Gernbauer, die neue Ministerialdirektorin im Bayerischen Verbraucherschutzministerium, erklärte, dass es "100-prozentige Sicherheit" vor solchen Skandalen wohl nie geben werde. Über 99 Prozent der Unternehmen arbeiten ordentlich, so die Expertin und die wenigen "schwarzen Schafe", die mit zum Teil enormer "krimineller Energie" am Werk seien, schädigten die gesamte Branche.
Quelle: Straubinger Tagblatt vom 08. März 2007

