„95 Prozent der Fleischhändler arbeiten sauber“
Ministerialdirektorin Gernbauer: Schärfere Kontrollen im Kampf gegen Gammelfleisch
Passau (wx). Mehr Kontrollen mit mehr Personal: So will Bayerns Verbraucherschutzministerium dem Gammelfleisch den Kampf ansagen, sagte Ministerialdirektorin Karolina Gernbauer gestern bei einer Podiumsdiskussion auf der Gastro-Messe „Gast + Küche“ in der Passauer Dreiländerhalle. Mit Landwirtschaftsminister Josef Miller, Prinz Luitpold von Bayern als Vertreter der Brauereien, dem Präsidenten des Bayerischen Hotel- und Gaststättenverbandes, Siegfried Gallus, und dem stellvertretenden Vorsitzenden vom Biokreis Passau Stelzlhof, Niko Gottschaller, diskutierte sie zum Thema „Qualität hat ihren Preis“. Moderator war der Journalist Hannes Burger.
Beim Fleisch sollen die Verbraucher sich der Qualität wieder sicherer sein können. „Einzelne Unternehmen haben den Ruf einer ganzen Branche beschmutzt. 95 Prozent der Betriebe arbeiten sauber, den Rest gilt es aufzudecken“, sagte Gernbauer. Spezialteams, bestehend aus Veterinären, Zoll-Experten, EDV-Leuten und Metzgern, sollen unangemeldet Kontrollen durchführen. Gernbauer: „Das Problem ist, dass im Fleischhandel die meiste kriminelle Energie vorhanden ist.“
Ein weiteres Thema in der Diskussionsrunde war der Bioboom. „Die Nachfrage nach Lebensmitteln aus ökologischem Anbau ist größer als das Angebot“, sagte Landwirtschaftsminister Josef Miller. Man müsse mehr Bauern dafür gewinnen, Ökoprodukte herzustellen. Der Absatz von Bio-Lebensmitteln sei von 2005 auf 2006 um 16 Prozent gestiegen, erklärte Niko Gottschaller vom Biokreis Passau Stelzlhof. Bio koste zwar mehr, „aber dieser höhere Preis ergibt sich aus der alternativen Landbauform, dem Umwelt- und Gewässerschutz, der dadurch gewährleistet ist. Das muss der Verbraucher honorieren“, argumentierte er.
Josef Miller verwies auf das Qualitätssicherungssystem „Geprüfte Qualität Bayern“ und das Ökozeichen „Ökoqualität garantiert - Bayern“ als Garanten für gute Produkte. Daran könnten sich Verbraucher orientieren, denn, so Miller: „Die Leute wollen wieder wissen, was sie essen.“
Die „Geiz-ist-geil“-Mentalität verändere sich, drückte Prinz Luitpold von Bayern diesen Aspekt anders aus. Was ihm dafür Sorgen bereite: Immer mehr Fachkräfte aus der Gastronomie würden ins Ausland abwandern. „Es gibt tolle deutsche Kräfte in Dubai und Tokio. Dabei bräuchten wir hier in Bayern dringend g’scheite Wirte.“ Nach Meinung von Moderator Hannes Burger habe Servicepersonal im Gastro-Bereich in Deutschland zu wenig Ansehen: „In Österreich heißt der Kellner ‚Herr Ober‘, bei uns behandelt man ihn wie einen Diener.“
Von Seiten der hiesigen Wirte erwartet Prinz Luitpold von Bayern mehr Sorgfalt, scheinbare Kleinigkeiten wie die regelmäßige Reinigung der Bierleitung. „Dann zahlt der Gast auch gerne einen angemessenen Preis. Denn was nützt eine aufwändige Herstellung, wenn diese Qualität am Gast zunichte gemacht wird? Dann hat man für die Katz’ gearbeitet.“

Quelle: Passauer Neue Presse vom 07. März 2007

