Zum ersten Mal Bio

Erfolgreiche Informationsplattform bei der Gast + Küche 2007

von Elisabeth Schütze

Die Regionalmesse "Gast + Küche", die im März in Passau stattfand, konnte in diesem Jahr erstmals mit einer "Bio-Insel" aufwarten. Die von der Firma Innstolz und dem ökologischen Anbauverband Biokreis e.V. initiierte Informationsplattform mit vielen Schmankerlständen war ein voller Erfolg. Unterstützt wurde der Biokreis e.V. von der CMA, Centrale Marketing-Gesellschaft der deutschen Agrarwirtschaft mbH, und dem Bayerischen Landwirtschaftsministerium. An vielen Ständen fand sich daher das Vertrauen erweckende Siegel „Qualität aus Bayern“.

Der Bio-Boom und der Wunsch nach regionalen Produkten spiegelt sich auch in der Gastronomie wider. Immer mehr Gäste fragen nach natürlicher biologischer Ernährung. Dass man für die Verwirklichung dieser Wünsche weder das Küchen-Budget sprengen muss, noch dass man durch strenge Richtlinien seinen ganzen Betrieb umkrempeln muss, war für viele Gastronomen neu. Interessant war für sie auch, in welch hoher Qualität und Geschmackintensität Bioprodukte sich mittlerweile präsentieren. "Bio in aller Munde" lautete der entsprechend gut besuchte Vortrag des Biokreis e.V., in dem sehr klar die Vorteile einer biologischen Ernährung dargelegt wurden. Ein weiterer Vortrag setzte sich mit Regionalität von Bio-Produkten auseinander, „regional & fair“ ist ein Kriterium, auf das immer mehr Verbraucher Wert legen.

Tatsachen schuf dann der „kochende Bürgermeister“ von Bayrisch Eisenstein, Thomas Müller am Biokreis-Stand. Überschwänglich präsentierte er seine Stadt als „Perle Bayerns im Herzen Europas“ und „Tor zum Osten“. Mit Elan stellte er, unterstützt von Bernhard Bachl, Wirt des neuen „Haus zur Wildnis“ im Nationalpark Bayerischer Wald, ein typisch bayerisches Gericht, den Obatzdn her, in den bayemlike neben Käse, Butter und Gewürzen auch vier Esslöffel helles Bier kamen. Eine leckere Variante, fanden die Messebesucher, die neben den Kochkünsten auch von seinen Entertainer-Qualitäten fasziniert waren. Nachdrücklich bekannte er sich zu Bio-Produkten und forderte die Zuschauer auf, es ihm gleich zu tun, „weil’s einfach besser schmeckt!“

„Qualität hat Ihren Preis“

Unter diesem Motto fand auf der Messe „Gast + Küche“ in Passau eine Podiumsdiskussion mit hochkarätiger Beteiligung statt. Moderiert von Hannes Burger, diskutierten der bayerische Landwirtschaftsminister Josef Miller, der Geschäftsführer der König Ludwig Schlossbrauerei Kaltenberg, Luitpold Prinz von Bayern, Karolina Gernbauer, Ministerialdirektorin im Bayerischen Verbraucherschutzministerium, Siegfried Gallus, BHG-Präsident und Niko Gottschaller, Biobäcker und 2. Vorsitzender des ökologischen Anbauverbandes Biokreis e.V., unter anderem über Bio in der Gastronomie.

Der Trend - das zeigte auch das große Publikumsinteresse an der Bio-Aktionsfläche, die vom Biokreis e.V. und der Firma Innstolz präsentiert wurde - geht immer mehr in Richtung biologische Gerichte, auch für die Gastronomie und Hotellerie. Das bedeute zwar für die Gastronomen einen höheren Wareneinsatz, aber auch einen gut vermarktbaren Mehrwert, so Minister Miller. Angesprochen auf die Rohstoff-Knappheit, wies Luitpold Prinz von Bayern darauf hin, dass konventionell wie biologisch arbeitenden Landwirten über Jahre ein so geringer Preis für ihre Erzeugnisse bezahlt worden sei, dass viele die Landwirtschaft aufgegeben hätten. Diese Flächen fehlten jetzt und seien trotz . zwischenzeitlicher Verdoppelung z.B. des Braugerstenpreises nicht mehr verfügbar. Darüber hinaus würden große Flächen zwischenzeitlich für die Energiegewinnung genutzt, was jedoch, so Minister Miller, keinen Einfluss auf den qualitativ hochwertigen Anbau von Produkten für die Lebensmittelverarbeiter habe. Dieses Stichwort nahm Niko Gottschaller zum Anlass, Minister Miller auf die Kürzung der EU-Fördermittel anzusprechen, die zum Teil für Biobauern drastisch ausgefallen sind. Hier könne er nur darauf verweisen, so Miller, dass es für Bayern immerhin noch eine Hektarforderung von 190 Euro gebe. In anderen Bundesländern seien es weit weniger.

Der Bemerkung, dass Deutschland dadurch gegenüber anderen Ländern wie zum Beispiel Österreich im Nachteil liege, konnte er allerdings nichts entgegensetzen.

Fazit dieser Gesprächsrunde zum Thema Bio ist wohl, dass sowohl Verarbeiter wie auch Gastronomen auf regionale und biologische Produkte zurückgreifen möchten, aber oft die Verfügbarkeit nicht gegeben ist. Dafür fehlen bisher eindeutige politische Signale ebenso wie ein Umdenken dahingehend, dass gute Produkte nicht zum Billigtarif zu bekommen sind. Qualität muss ihren Preis haben!

Quelle: BioNachricheten, April 2007