Der MIV fordert die Differenzierung von gesättigten Fettsäuren
Milchindustrie-Verband e.V. Berlin
MIV-Position zu gesättigten Fettsäuren vom 09. April 2008
Es ist wissenschaftlich nicht korrekt, zu behaupten, dass per se der Verzehr von gesättigten Fetten ungesund ist. Je nach Kettenlänge der Fettsäuren haben sie z. T. unterschiedliche Wirkungen. Sie wirken z. B. neutral auf den Cholesterinspiegel und zeigen positive gesundheitliche Effekte:
- Die kurzkettige Buttersäure (C4; ca. 5,5% der gesättigten Fettsäuren in der Milch) dient als Energiesubstrat der Dickdarmzellen und verbessert das Milieu im Dickdarm.
- Die mittelkettigen gesättigten Fettsäuren (C6-C10; ca. 8,6% der gesättigten Fettsäuren in der Milch) haben wegen ihrer geringeren Kettenlänge einen geringeren Brennwert (8,25 kcal /g) und werden besonders leicht verstoffwechselt. Sie sind mit einem erhöhten Energieverbrauch verbunden und ein höheres Sättigungsgefühl konnte nach ihrem Verzehr gezeigt werden. Der Austausch von langkettigen gegen mittelkettige Fettsäuren führte zu einer höheren Gewichtsreduktion und zu einer Verbesserung der Insulinsensitivität. (Schrezenmeir, 2006)
- Die kurzkettigen und die mittelkettigen Fettsäuren sowie die Stearinsäure (C18; ca. 19% der gesättigten Fettsäuren in der Milch) erhöhen nicht die LDL-Cholesterinkonzentration im Plasma. (DGE, 2006)
- Stearinsäure kann durch die Verdrängung anderer langkettiger gesättigter Fettsäuren sogar senkend auf die Cholesterolkonzentration im Plasma wirken. (DGE, 2006)
Diese Beispiele zeigen, wie wenig exakt es ist, pauschal alle gesättigten Fettsäuren in ihren Wirkungen gleich zu setzen und als „ungesund" zu bewerten. Die Wirkungen der einzelnen Fettsäuren müssen einzeln betrachtet werden, bevor Lebensmittelbestandteile vereinfacht negativ bewertet werden.
Die kurz- und mittelkettigen Fettsäuren sowie die Stearinsäure sind gesundheitlich unbedenklich, sie wirken neutral auf den Cholesterinspiegel und zeigen positive gesundheitliche Effekte. Es ist daher unerlässlich, dass diese gesättigten Fettsäuren differenziert von den anderen gesättigten Fettsäuren bewertet werden.
Ihr Anteil (über 30% der gesättigten Fettsäuren im Milchfett) muss deshalb von den gesättigten Fettsäuren als „Negativ-Kriterium“ in den Nährwertprofilen (nach der Verordnung (EG) 1924/2006 über nährwert- und gesundheitsbezogene Angaben über Lebensmittel) ausgenommen werden.
Quellen u. a.:
- Evidenzbasierte Leitlinie: Fettkonsum und Prävention ausgewählter ernährungsmitbedingter Krankheiten (November 2006), Deutsche Gesellschaft für Ernährung, S. 113
- Prof. Schrezenmeir, (Max Rubner-lnstitut, Kiel/Karlsruhe) 2006, cma Ernährungsforum, Gesund - ohne wenn und aber; Datenlage versus Berichterstattung zu Milch und Krankheiten
gesättigte Fettsäuren (FS) in der Kuhmilch (min 3,5% Fett)
| Fettsäure | C-Atome | Gehalt in g | % der gesättigten FS |
|---|---|---|---|
| Buttersäure | C4 | 0,12 | 5,7 |
| Capronsäure | C6 | 0,06 | 2,9 |
| Caprylsäure | C8 | 0,04 | 1,9 |
| Caprinsäure | C10 | 0,08 | 3,8 |
| Laurinsäure | C12 | 0,1 | 4,8 |
| Myristinsäure | C14 | 0,36 | 17,2 |
| Palmitinsäure | C16 | 0,93 | 44,5 |
| Stearinsäure | C18 | 0,4 | 19,1 |
| Summe gesättigte FS | 2,09 | 100,0 | |
33,5 | |||
gesättigte Fettsäuren (FS) in der Kuhmilch (min 3,5% Fett)
| Fettsäure | C-Atome | Gehalt in g | % der gesättigten FS |
|---|---|---|---|
| Buttersäure | C4 | 0,12 | 5,7 |
| Capronsäure | C6 | 0,06 | 2,9 |
| Caprylsäure | C8 | 0,04 | 1,9 |
| Caprinsäure | C10 | 0,08 | 3,8 |
| Laurinsäure | C12 | 0,1 | 4,8 |
| Myristinsäure | C14 | 0,36 | 17,2 |
| Palmitinsäure | C16 | 0,93 | 44,5 |
| Stearinsäure | C18 | 0,4 | 19,1 |
| Summe gesättigte FS | 2,09 | 100,0 | |
| 33,5 % der gesättigten Fettsäuren ohne Wirkung auf den Cholesterinspiegel und mit positiven gesundheitlichen Wirkungen |
Quelle: Milchindustrie-Verband e.V. Berlin, 09.04.2008

